Länger Einkaufen in Bayern

Länger Einkaufen in Bayern

In Bayern gehen die Uhren anders. Das soll auch so bleiben. Aber nicht beim Ladenschluss!

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Thesen der Gegner

Im Folgenden sollen ein paar bekannte Thesen vorgestellt werden, welche Gegner der Ladenschlussliberalisierung gerne anbringen und die auf den ersten Blick logisch erscheinen, aber bei einer genaueren Durchleuchtung längst nicht mehr so überzeugend wirken oder sich gänzlich in Luft auflösen.

Es gibt wichtigere Themen als die Liberalisierung des Ladenschlusses

© Birgit H. / Pixelio

Selbstverständlich. Die Welt hat jede Menge andere, viel größere Probleme. Zugegeben. Dies ist aber ein klassisches Ablenkmanöver. Denn überall werden Dinge verbessert. Viele Innovationen sind nützlich, andere sind es weniger und wiederum andere sind völlig sinnlos. Und dennoch beschäftigen sich sehr viele Menschen damit. Warum aber soll ausgerechnet ein Thema, das den Konsumenten mehr Service bieten kann, nicht angegangen werden, nur weil es nicht absolut lebensnotwendig und keine wirkliche weltpolitische Bedeutung hat?

Der Ladenschluss wurde schon liberalisiert, 20 Uhr reicht doch völlig aus

Viele Konsumenten wissen das besser. Die jetzigen Ladenschlusszeiten reichen natürlich im gewissen Umfang aus. Das Leben könnte für viele aber mit weniger Stress behaftet sein, wenn die Geschäfte länger öffnen dürften. Oft müssen die Tankstellen für einen Noteinkauf aushelfen. Tankstellen sind vielerorts schon fast zu so etwas wie einem Minisupermarkt geworden. Nur sind die Preise dort unakzeptabel hoch und es dürfen längst nicht alle Arten von Waren verkauft werden. Zudem muss der Tankstellenbetreiber seinen Hauptumsatz mit dem Tankgeschäft machen. Wer keine Tankstelle in der Nähe hat, für den sind Tankstellen auch keine Alternative. Der Supermarkt an der Ecke wäre oft da, nur der darf nicht öffnen. Neben Einheimischen wünschen sich auch Touristen längere Öffnungszeiten.

Man kann jeden Euro nur einmal ausgeben

Mathematisch ist dies korrekt. Nur, was soll uns damit gesagt werden? Wahrscheinlich ist damit gemeint, dass ein Großteil der Bevölkerung finanziell keine großen Sprünge machen kann. Daraus aber abzuleiten, dass die Konsumenten dann gefälligst in den dafür vorgesehenen Zeiten einkaufen sollen, wo sich doch ohnehin nicht viel haben und nicht mehr ausgeben können, ist ein Armutszeugnis im wahrsten Sinne des Wortes. Denn wer sparsam haushalten muss, wünscht sich dennoch zumindest mehr Flexibilität bei den Einkäufen.

Möglicherweise will die Eingangsthese darauf Bezug nehmen, dass längere Öffnungszeiten nicht zu mehr Umsatz führen. Auch dies ist nicht richtig. Produkte werden nicht nur aus einer absoluten Notwendigkeit, sondern oft auch bei Gelegenheiten gekauft. Mehr Gelegenheiten können durchaus Gesamtumsatzsteigerungen bedeuten. Wer sich ab und zu etwas leisten möchte – zum Glück betrifft dies nicht nur die Reichen –, hat mit längeren Öffnungszeiten mehr Gelegenheiten und konsumiert gegebenenfalls mehr. Außerdem darf an den Tourismus erinnert werden. Wer nur stunden- oder tageweise in Bayern ist, der kann eben seinen Euro dann überhaupt nicht ausgeben, wenn er vor der nächsten Ladenöffnung wieder abreist. Dies mag zwar nur ein kleiner wirtschaftlicher Faktor sein, aber warum möchte man darauf verzichten? Selbstverständlich gibt es für Urlaubsgebiete im Souvenirverkauf etc. Ausnahmen, aber wenn man sich München anschaut, sieht es mit Einkaufsmöglichkeiten nach 20:00 und am Sonntag sehr düster aus. Zappenduster.

Die Ladenschlussliberalisierung ist in anderen Bundesländern ein Flop

Das stimmt nur zum Teil. Supermärkte an Ausfallstraßen machen beispielsweise in größeren Städten nach 20:00 ein gutes Geschäft. Es gibt weitere gut gehende Beispiele, bei denen findige Geschäftsleute Marktlücken gefunden haben und nun ein gutes Geschäft machen. Warum verwehrt man dies den Läden in Bayern? Es wird schließlich niemand gezwungen, zu öffnen. Wenn es sich nicht lohnt, wird man halt nicht um 22:00 oder 0:00 schließen, sondern um 21:00, um 20:00 oder um 19:00. Warum überlässt man es nicht den Geschäften selbst? Warum muss das die Politik bestimmen?

Nur weil einige wenige länger einkaufen möchten, muss das Verkaufspersonal bis 22:00 oder länger arbeiten

Wer das Argument im Gleichklang verwendet, es gäbe keinen Bedarf für verlängerte Öffnungszeiten, was man von den Liberalisierungsgegnern des Öfteren hören kann, widerspricht sich schon einmal. Die Erfahrung in anderen Bundesländern hat gezeigt, dass nur ein Teil der Geschäfte die Öffnungszeiten ausdehnt. Dass eine ganze Branche nun auf einmal unchristliche Arbeitszeiten erhält, stimmt also so nicht.Wer sagt außerdem, dass es unter dem Verkaufspersonal nicht Leute gibt, die bis 22:00 arbeiten möchten?

Mal davon abgesehen, ist das Verkaufspersonal in Bayern eine der letzten Bastionen mit gesetzlich definierten Arbeitszeiten. Zwar kann niemand unchristliche Arbeitszeiten gutheißen, aber wer damit argumentiert, sollte dann, wenn er ehrlich ist, auch eine Beschränkung der Arbeitszeiten in anderen Branchen fordern, die keine lebensnotwendigen Bereiche darstellen.

Viele Fabriken beschäftigen ihre Arbeitnehmer auch nachts und am Wochenende, um ihre Maschinenlaufzeiten zu optimieren. Auch in kleineren Unternehmen wird oft der Einsatz bis an alle Grenzen verlangt. Wenn ein Projekt im Verzug ist, dann wird von den Mitarbeitern erwartet, bis spät nachts und länger in ausgedehnten Schichten zu arbeiten. Hier darf schon mal gefragt werden, ob man dem – unzweifelhaft hart arbeitende – Verkaufspersonal Rechte zugesteht, die man anderen Arbeitnehmern selbstredend verwehrt.

Längere Öffnungszeiten verursachen höhere Kosten. Die Läden laufen Gefahr, Pleite zu gehen und die Waren werden teurer

Dies stimmt nur bedingt. Wenn das Personal besser über den Tag verteilt eingesetzt wird, lässt sich da einiges schon wieder kompensieren, auch wenn für die Abendstunden Zuschläge gezahlt werden müssen. Bestimmte Stromkosten - etwa zur Kühlung - fallen bereits heute auch nachts an. Zugegeben würden sich bestimmte Kosten dennoch erhöhen. Dass dies aber gewaltige Auswirkungen auf die Preise hat, ist bei einer Verlängerung der Öffnungszeiten von sagen wir mal 20:00 auf 22:00 sehr unwahrscheinlich, da so eine moderate Erweiterung bezogen auf die Gesamtkosten nicht stark ins Gewicht fällt.

Bei Geschäften, die 24 Stunden am Tag geöffnet haben, sind die Auswirkungen natürlich höher. Aber da sie durch großzügige Öffnungszeiten einen besonderen Service bieten, können sie es sich leisten, etwas höhere Preise zu verlangen. Solche Läden könnten die Lücke zwischen normalen Supermärkten und den teuren Tankstellen schließen. Für den Konsumenten wäre es eine Verbesserung und viele sind bereit, mehr zu bezahlen, was sich im Erfolg der Tankstellen zeigt, die oft vom reinen Benzingeschäft nicht überleben könnten. Warum darf in Bayern nicht das sein, das in anderen Bundesländern funktioniert?

Auch bedeutet eine Flexibilisierung des Ladenschlusses nicht automatisch eine längere Wochenöffnungszeit. Ladenbesitzer haben z.B. die Möglichkeit, später zu öffnen und entsprechend später zu schließen und sich auf diese Weise auf die Erfordernisse und Wünsche ihrer Kunden einzustellen.

Wenn man sich das Eingangsargument noch einmal genau ansieht, wäre ja die logische Schlussfolgerung, dass es am besten wäre, wenn die Geschäft nur wenige Stunden am Tag öffnen würden. Das kann keiner ernsthaft fordern.

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