Freigabe – jetzt!
Warum auch Bayern Schluss mit dem Ladenschluss machen sollte
In den letzten Jahrzehnten haben sich die Gesellschaft und die Lebensgewohnheiten stark verändert. Im beruflichen Umfeld wird deutlich mehr Flexibilität verlangt. Immer weniger Arbeitnehmer arbeiten in Großunternehmen mit starren Arbeitszeiten. Gerade in kleineren Unternehmen wird oft ein hundertfünfzigprozentiger Einsatz verlangt, was auch unchristliche Arbeitszeiten einschließt. Auch die Rollenverteilung in Partnerschaften hat sich geändert – oft sind beide Partner berufstätig –, und die Anzahl der Einpersonenhaushalte ist drastisch gestiegen. Viele haben sogar einen oder mehrere Nebenjobs, um sich finanziell über Wasser halten zu können.

© S. Hofschlaeger / Pixelio
Oft ist es da gar nicht so einfach, die Einkäufe zu organisieren. Wenn dann noch Schicht gearbeitet wird, wird es ziemlich diffizil, die Zeit so einzuteilen, dass die Einkäufe erledigt werden können.
In fast allen Unternehmen wird immer mehr auf Service gesetzt. Der Kunde steht im Mittelpunkt. Zu einer solchen Kundenfokussierung gehört aber auch, dass die Läden dann öffnen, wenn Bedarf da ist. Und genau das können die Läden in Bayern wegen eines antiquierten Gesetzes namens Ladenschlussgesetz nicht im vollen Umfang leisten.
Von der gesetzlichen Grundlage zum Abstimmungspatt
Für viele heißt es, kurz vor 20:00 Uhr noch in aller Hektik einzukaufen. Oder sich dem Einkaufsstress am Samstag auszusetzen Dabei könnte alles ganz anders sein. Die Föderalismusreform vom Juni 2006 erlaubt es den Bundesländern, die gesetzliche Grundlage für die Ladenöffnungszeiten selbst zu definieren. Bis auf das Saarland hatten alle Bundesländer eine weit gehende Liberalisierung in Aussicht gestellt. Und es haben alle diese Bundesländer dies auch verwirklicht. Bis auf Bayern. Die CSU wollte die Liberalisierung, doch ein peinliches Abstimmungspatt am 08.11.2006 verhinderte diese. Was war passiert? Man könnte es so ausdrücken, Bayern ist wohl wegen seiner vielen ländlichen Regionen gescheitert. Es drängt sich der Verdacht auf, dass einige Fraktionsmitglieder, die keinen Bedarf in ihrem Wirkungsbereich auf dem Land sehen, den Ausschlag gaben. Aber Bayern hat auch bekanntlich Ballungszentren und mit München die drittbevölkerungsreichste Stadt in Deutschland. Nürnberg, Fürth und Erlangen bilden immerhin noch das zehntgrößte deutsche Ballungszentrum. Edmund Stoiber hätte damals die fehlende Stimme pro Liberalisierung leisten können und er wollte dies auch, musste aber Minuten vor der Stimmabgabe den Raum wegen eines auswärtigen Termins verlassen. Erschwerend kam dazu, dass der damalige Fraktionschef Joachim Herrmann völlig unüblicherweise keine Parteilinie vorgab.
Gut, vergessen wir dies und blicken wir nach vorne. Die CSU sollte sich dabei daran erinnern, dass sie versprochen hatte, die Erfahrung der anderen Bundesländer abzuwarten und dann noch einmal das Thema auf die Tagesordnung zu setzen. Man wollte „in frühestens in einem Jahr entscheiden“, hieß es damals. Zeitungen spekulierten seinerzeit, die CSU werde sich der Sache noch einmal in ein paar Monaten annehmen.
Nun sind aber zwei Jahre vergangen!
Klar, vor den Landtagswahlen 2008 und dem Ärger mit dem Rauchverbot und dem Transrapid wollte die CSU keine neue, kräftezehrende Diskussion. Man hatte andere Sorgen. Doch nach der Landtagswahl gab es einen Lichtblick: Die CSU verlor die absolute Mehrheit und brauchte die FDP, um regieren zu können. Eigentlich war die Sache nun so gut entschieden, zumal die FDP den Ladenschluss in ihr Wahlprogramm gesetzt hatte und in diesem tönte, die CSU kriegt ja nicht mal den Ladenschluss geregelt. Doch in den Koalitionsverhandlungen konnte die FDP die CSU nicht mal für eine einzige Sekunde längere Öffnungszeiten begeistern. Es bleibt vorerst alles, wie es ist. Und Bayern Spitzenreiter in puncto Kunden- und Ladenbesitzergängelung.
Passt das zum von Horst Seehofer wiederentdeckten Motto „Leben und leben lassen“? Kaum. Gebt doch den Ladenbesitzern diese „bayerische“ Freiheit, aufzusperren, wann sie möchten. Und den Kunden mehr Freiheit beim einkaufen!
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